endliche gartenewigkeit

ich kam zu spät. sie hat schon angefangen ihr folienhaus zu zerlegen,
hat stundenlang herumgewerkelt, ausgeräumt, abgebaut. IHR folienhaus. selber gebaut, nach jedem sturm ausgebessert, nach jedem winter runderneuert. ein flickwerk. mit den jahren nicht grösser geworden und doch gewachsen. ein kunstwerk sage ich, eine schande sagen die anderen.
mir tut es leid.
etwas, von dem ich dachte, das ist ewigkeit, verschwindet. stück für stück.
nein, das ist nicht ganz richtig. keinen moment dachte ich, da könnte sich etwas ändern
und jetzt komme ich mit dem fotoapparat zu spät. also fast. sie zeigt mir, was noch da ist.
ich fotografiere. es ist beklemmend.
sie ist so still. schau, da! und schau, das! ohne worte. nach einem ganzen folienhausleben ist da plötzlich ordnung, das sammelsurium liegt penibel geschlichtet da. fertig zum abtransport. sortierter müll.
tut es dir leid? bist du traurig? kannst du das überhaupt wegwerfen? sie sagt nichts.
sieht sich alles an. packt ein paar sachen in eine kleine schachtel,
nimmt das ihr wichtigste, liebste arbeitsgerät und
geht.
dreht sich nicht mehr um.
mir kommt vor, in dem moment ist meine mutter kleiner geworden, zarter, zerbrechlicher.

am nächsten tag kam das neue glashaus.
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8 Kommentare zu “endliche gartenewigkeit

  1. gibt es eigentlich viele schreibende maler oder malende literaten, die in beiderlei metiers gleichermaßen zu hause sind?

      • das vorhin war als kompliment für deine wunderbare geschichte gedacht. ich hoffe, du zwingst mich nicht, an maler oder literat irgendein binnen-i oder sonst eine halsbrecherische formulierung anzubringen, nur damit ich dem tschendermeinschtrieming (hallo, das steckt ja „das meinsch=mädchen“ drinnen) genüge tue.
        dazu fällt mir ein: es war eine deutschstunde. ich unterrichtete damals eine aso-klasse, und wir unterhielten uns über männliche und weibliche berufe. mein hintergedanke war, die weibl.endung „-in“ zu festigen. ein bub wurde also bäcker, ein mädchen entsprechend bäckerin usf. maler-malerin, bauer-bäuerin. bis plötzlich olivia, mein prachtstück, herausplatzte, sie werde einmal krankenschwesterin.

        • *ggg* olivia also haben wir das binnen-i zu verdanken! und wos is aus den meinsch woan? a bolidigarin?? (-;

          (weiß eh,dass es ein Kompliment war,aber das ist zuviel der ehre)

  2. interessant, dass es gleich eine schande ist, wenn man so ein provisorium, das sich über jahre bewährt hat, auf dem eigenen grundstück hat. ich halte den blauen tunnel, der über die jahre hin sicher auch mal rot war und orange oder grün und gelb, ja nun auch nicht für der gartenzier letzte weisheit, aber was viel wichtiger ist, ist dass man da sehen kann, dass da ein herz dranhing, das sich sorgte, pflegte und als wichtigstes: gutes daraus hervorbrachte. natürlich sieht das ganze nicht so schick aus wie paradeiser beim billa, mit speziallicht beschienen und dauerhaft wasserbesprüht, damit das rot so richtig herauskommt und die wassertropfen darauf schimmern, aber dass im plastiktunnel paradeiser herangezogen wurden, deren geschmack man nicht mehr vergisst, wenn man je solche geniessen durfte, sonnenwarm von der staude gepflückt, lebensmittel im wahrsten sinn des wortes – das kann niemals mit einer schande einhergehen. das ist im gegenteil die grosse kunst, aus wenig etwas besonderes zu machen. aus abfall nützliches, aus liebe zur tätigkeit, die darin verfolgt wird.

    und ich freue mich, dass deine mutter das neue glashaus auch mag.

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