es war einmal..

so fangen märchen nicht nur an, manche enden so.

es war einmal.. ein kinderspielplatz..

seit wochen begleitet meinen tag ab den frühen morgenstunden ein poltern, splittern, scheppern, rasseln, bohren und dröhnen. vor meinem küchenfenster stehen manchesmal riesige gelbe schuttcontainer, die ein riesiger LKW mit getöse wieder wegschafft..und eine kleine träne glitzert in meinem augenwinkel. gedanken an vergangenes werden wach, gerüche kommen mir wieder in den sinn.
an die gärtnerei des nachbarn. meine mutter hat dort gearbeitet, freunde haben dort gewohnt, nachbarskinder mit mir dort ihr halbes kinderleben verbracht. ich habe im wasserreservoir mit den kaulquappen schwimmen gelernt, warme erde den sommer lang zwischen den zehen gespürt, in sonnenwarme paradeiser gebissen, in den glashäusern den jungpflänzechen beim grosswerden zugesehen, mitgeholfen, die glasflächen mit nasser lehmerde zu bespritzen, damit im glashaus dieses unvergleichliche klima entsand, das ich heute noch spüren und riechen kann wenn ich daran denke…und ich habe dort beim paradeisabklauben ein tier kennengelernt, das mit albträume verschaffte,  weil ich mit dem gesicht in ein spinnen-netz geriet, das einer spinne gehörte, die wie eine wespe aussah. nie gesehen sowas, weder vorher noch nachher. mama meinte nur, ich soll ihr keine märchen erzählen, gestreifte spinnen gibt es nicht. punktum. viele viele jahre später, als mir dieses tier in meinem eigenen garten wieder begegnete, lernte ich sie (dank des weltweit-netzes) kennen – ich hab immer noch angst vor spinnen, aber s i e wurde für mich dennoch vom albtraum zu ..einer schönheit

es war einmal…

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6 Kommentare zu “es war einmal..

  1. Als die Tage noch lang waren und die Existenz von gestreiften Spinnen unabhängig von erwachsener Bestätigung, da waren die Dinge einfach da, weil es keine ernstzunehmenden Anzeichen für die Vergänglichkeit der Dinge und Menschen rundum gab. Mutter war da, der Vater, die Glashäuser, das erste Fahrrad, gestreifte Spinnen, unzählige andere Erlebnisse und Dinge, von denen man heute nicht mehr weiß, ob sie Phantasie waren oder doch echt Erlebtes, und nicht immer kann einem das weltweite Wundern bei der Klärung eines solchen erinnerten Sachverhaltes behilflich sein. Das hat aber eh auch etwas Tröstliches an sich.

    Die Dinge waren da und neu, zumindest für einen selbst, selbst das Alte war neu, weil noch nie oder noch nicht oft genug gesehen. Jeder Tag war ein Wunder, jeder Duft ein Erlebnis, heute kennt man all das, und etwas riecht gut oder es stinkt, nur sehr selten kommt man noch an einer Bäckerei vorbei, deren Ausdünstung so ist, dass die grüne Backstube in dem kleinen Kuhdorf, in dem die Großmutter lebte, vor allem aber die Salzstangerl, die dort nur Donnerstags gebacken wurden, sich quasi materialisieren und der Speichelfluss sturzflutartig einsetzt, weil diese Salzstangerl mit frischer Butter: noch heute ließe ich dafür jedes Drei-Stern-Michelin-Gekünstel stehen.

    Ansonsten: alles weg. Also fast. Die Eltern: weg; wenn nicht gestorben, so doch weg in der Form, in der man sie kennenlernte, stark, anscheinend alles wissend, unbeugsam, allen Problemen souverän begegnend. Heute besucht man eine Grabstelle, die ist auch irgendwie neu, aber halt auch so alt wie der Tod selbst, und so schön könnte sie gar nicht sein, dass sie einem gefiele. Neben einem steht dabei der noch verbliebene Elternteil, der früher ein wichtiger Mensch gewesen ist oder sich zumindest dafür hielt, der Hunderte andere befehligte, und der macht sich heute Sorgen, ob die Blumen wohl eine Nacht mit leichtem Frost unbeschadet überstehen würden: Als ob es darauf ankäme. Aber so wird die Vergänglichkeit sogar floral bekämpft, weil bei diesem Kampf gegen den Frost gelingt es leichter, die eigene Vergänglichkeit zu vergessen, zeitweise wenigstens. Denn sie sieht einen ständig an, eine permanente Zumutung für sich selbst und alle anderen. Das erste Fahrrad ist so verrostet wie die verbogenen Eisenträger des Glashauses, die Blätter des Salates so faltig und trocken wie die eigene Haut, wenn man sich morgens in den Spiegel sieht, was sein muss, aber nur selten mehr ein Vergnügen ist.

    Gut, die Spinnen sind noch da, seit 500 Millionen Jahren, 500 mal 1.000 mal 1.000 Jahren, dagegen können wir Menschen nicht anstinken mit unseren läppischen 200.000 Jahren am Existenzbuckel. Vermutlich wird es öfter mal gelb-schwarz-weiß gestreifte Spinnen gegeben haben, die dann wieder ausgestorben sind und nun wieder da sind, derzeit zeitgleich mit einer Lebensform, die sich deren Existenz mithilfe einer großartigen Erfindung in Sekundenschnelle selbst bestätigen kann. In dieser Erfindung las ich heute den Satz: „Irgendwann ist jeder Mensch der auf der Welt, der als nächstes sterben wird.“ Ein schöner Gedanke, aber eine großer Hilfe ist diese demokratische Einrichtung natürlich auch nicht.

        • „Irgendwann ist jeder Mensch der auf der Welt, der als nächstes sterben wird.“

          wie das war, als ich dich persönlich kennen lernte?
          du sagtest nur ein wort. und ich hab tränen gelacht. unser humor hat uns verbunden.
          wir werden langsam älter hast du vor kurzem hier geschrieben… viel zu schnell heißt es jetzt „es war einmal“. am dienstag werden sie dich begraben. leb wohl, freund rudolph.

          • Ich durfte Rudolph nur kurz persönlich kennenlernen, aber ich schätzte immer seine sanften, liebevollen Kommentare hier. Er wird uns fehlen.

            Wenig nur steht in derart unvereinbarem Widerspruch wie sonnig-warme Sommertage und traurige Todesnachrichten. Als damals mein Onkel starb, recht jung, im schnellen BMW, da war das Wetter auch so wie jetzt gerade: wolkenloser Sonnenschein über viele Tage hindurch, man stöhnte gewohnheitsmäßig über die Hitze und genoss doch jeden Moment der Lebensfreude, die die Wärme in uns weckt, eingedenk der kalten und nassen Tage die da waren und wieder kommen würden. Doch dann. als die Nachricht kam, stand plötzlich die Zeit still und trotz 30 Grad im Schatten fröstelte mich: ein Einschlag, ganz nahe.

            Damals, ich war gerade 18, waren die Einschläge noch selten, beinahe niemand starb, und wenn, dann die ganz Alten (bzw. die, die ich damals dafür hielt). Jetzt, mit 55, sind sie häufig und nahe, und sie kommen immer näher. Auch Rudolphs Tod ist so ein Einschlag in der Nähe, aber wenn wir es zulassen, dann können wir ihn als einen weiteren seiner sanften, liebevollen Kommentare sehen. Danke Rudolph, ja, du wirst uns fehlen.

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